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Beim Umweltschutz ist jeder gefragt

Interview mit Markus Niehaus und Josef Voss

Verantwortungsbewusstes Wirtschaften ist für MANN+HUMMEL selbstverständlich. Dazu gehört auch der nachhaltige Umgang mit Ressourcen. Vice President Quality & HSE Markus Niehaus und Director Global HSE Josef Voss erläutern, wie Umweltschutz und in diesem Zusammenhang Energieeffizienz an allen Standorten kontinuierlich verbessert werden.

MANN+HUMMEL fertigt Produkte, die unter anderem Luft sauberer machen. Wie sieht es mit dem Umweltschutz im Unternehmen selbst aus?

Niehaus: Unsere Produkte haben die Aufgabe, das Nützliche vom Schädlichen zu trennen. Aber auch die Art ihrer Herstellung ist von hoher Relevanz, wenn es um den Beitrag zu einer sauberen Umwelt geht. Darum ist das Thema Umweltschutz auch in der MANN+HUMMEL Management-Politik verankert. Für das Unternehmen ist es selbstverständlich und auch eine Pflicht, die Umwelt zu schützen und zu erhalten. Und das, vom Beginn der Produktentwicklung bis hin zum Lebensende eines Produkts im Rahmen der gesamten Lieferkette. Unsere Aufgabe als Health Safety Environment (HSE)-Verantwortliche ist es, die entsprechende Infrastruktur zu schaffen und für die Umsetzung zu sorgen. Wir legen mit den Werken Programme auf, um Prozesse rund um die Fertigung und Lieferkette zu optimieren – nicht nur im Hinblick auf Effizienz, sondern auch auf Energieverbrauch und Ressourcenschonung.

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Beruflicher Werdegang

 

Markus Niehaus studierte Werkstofftechnik in Nürnberg und arbeitete zunächst im Bereich Werkstoffentwicklung. Anschließend war er rund zehn Jahre bei einem Automobilzulieferer in verschiedenen Positionen an deutschen und ausländischen Standorten im Bereich Qualität beschäftigt. Seit 2012 arbeitet er bei MANN+HUMMEL. Die ersten vier Jahre war er für Quality & HSE in der Region Asien verantwortlich. Seit 2016 ist er Vice President Quality & HSE für die MANN+HUMMEL Gruppe.

Sie haben 2016 ein globales Umweltschutz-Verbesserungsprogramm eingeführt. Was verbirgt sich dahinter?

Voss: Umweltschutz-Verbesserungsprogramme gab es schon immer im Unternehmen, nur wurden diese primär lokal geplant und umgesetzt. Nun heben wir sie auf ein globales Level. Wenn wir in einzelnen Standorten Potenziale erkennen, von denen andere Werke profitieren können, dann prüfen wir, ob dort auch eine Umsetzung sinnvoll ist.

Niehaus: Wir fassen lokale Ideen und Aktionen in einer Datenbank zusammen, um ein klares Bild davon zu bekommen, welche Potenziale wir in welchen Werken bereits ausgeschöpft haben und was wir durch die weltweite Umsetzung in anderen Werken noch verbessern können. Wichtig sind dabei Nachweise, sodass alle Projekte mit entsprechenden Daten hinterlegt werden. Dazu gehören unter anderem die voraussichtliche und tatsächliche Einsparung an Energie beziehungsweise Ressourcen, aber auch der Investitionsbedarf.

"Wir fassen lokale Ideen und Aktionen aus dem Bereich Umweltschutz zentral zusammen, um ein klares Bild davon zu bekommen, welche Potenziale wir in den anderen Werken weltweit noch nutzen können."

Markus Niehaus, Vice President Quality & HSE

Niehaus: Es sind naturgemäß sehr viele Initiativen im Bereich Produktionstechnik. Außerdem gibt es Projekte in der Gebäudetechnik, wie zum Beispiel der Austausch von Gasentladungslampen durch LED-Lampen. Viele Ideen kommen aber auch direkt aus der Fertigung, wo wir uns um Druckluftverbräuche, um die Optimierung von Kompressoren oder um das optimierte Ein- und Ausschaltverhalten von Anlagen beziehungsweise Geräten kümmern.

Voss: Im ersten Schritt bewerten wir immer die Umweltaspekte und schauen, wo wir Potenzial heben können. Der nächste Schritt ist dann, die Hauptverbraucher zu identifizieren. Ein Beispiel: An einem Standort gab es ein Druckluftnetz, das mit einem verhältnismäßig hohen Druck von acht Bar betrieben wurde. Grund dafür war ein einziges Messgerät in der Produktion, das diesen hohen Druck benötigte. Dieses haben wir ausgekoppelt, separat mit Druckluft versorgt und konnten dadurch das ganze Netz mit einem geringeren Druck von sechs Bar betreiben – mit signifikanten Auswirkungen auf Energieverbrauch und -kosten.

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Beruflicher Werdegang

 

Josef Voss absolvierte sein Studium der Elektrotechnik an der Fachhochschule Aachen und war in der Folge für verschiedene Unternehmen in den Bereichen Produktentwicklung und Qualität tätig. 2011 wechselte er zu MANN+HUMMEL. Zunächst als Director Quality & HSE Operations Germany und seit 2015 in der Position Director Global HSE.

Lässt sich dieses Engagement in Zahlen fassen?

Niehaus: Alle umgesetzten Projekte wirken sich positiv auf unsere umweltrelevanten Kennzahlen aus. Unsere Energieeffizienz, gemessen über alle Standorte weltweit, konnten wir im Laufe der vergangenen vier Jahre um mehr als fünf Prozent steigern. Allein durch die Einführung von LED-Leuchtmitteln und intelligenten Beleuchtungssystemen haben wir unternehmensweit in den Jahren 2015 bis 2017 jährlich rund 400.000 kWh elektrische Energie eingespart. Das entspricht dem Energieverbrauch von rund 100 deutschen Haushalten pro Jahr. Eine Ersparnis von weiteren 300.000 kWh jährlich konnten wir durch den Einsatz von effizienteren Kompressor- und Druckluftsystemen erzielen. Die Recyclingrate liegt seit 2014 im Durchschnitt aller Standorte kontinuierlich über einem Wert von 93 Prozent.

Voss: Energieeffizienz und Ressourcenschonung spielen auch bei der Spezifikation und Beschaffung von Produktionsanlagen eine signifikante Rolle. Für die Produktion von Partikelvliesen für Innenraumfilter am deutschen Standort in Marklkofen ist beispielsweise zukünftig statt mehrerer separater nur noch eine kompakte, verkettete Anlage nötig. Mit dem Vorhaben können wir jährlich 16 Prozent Material und 70 Prozent Prozessenergie einsparen. Das ergibt eine Minderung der CO2-Emissionen von über 4.000 Tonnen pro Jahr. Für diese Anlage erhalten wir auch eine Förderung durch das Bundesumweltministerium.

Woher kommen die Ideen für die Projekte?

Niehaus: Es gibt verschiedene Quellen. Über das betriebliche Vorschlagwesen haben alle Mitarbeiter die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen. Im Prinzip ist jeder der über 20.000 Mitarbeiter angesprochen, Vorschläge zu machen und entsprechend etwas zu bewegen. Zudem haben wir neben den HSE-Mitarbeitern im Regional- und Zentralbereich jeweils mindestens einen Umweltschutzexperten an allen Standorten weltweit. Sie sind Spezialisten für lokale gesetzliche Umweltanforderungen, fungieren als Ansprechpartner im weltweiten HSE-Netzwerk und sind auch Ideengeber für Verbesserungsprojekte.

Wie schaffen Sie es, die Umweltstandards global auf einem hohen Niveau zu halten?

Niehaus: MANN+HUMMEL ist nach ISO 14001 zertifiziert. Das heißt, die Werke sowie die Zentralbereiche arbeiten auf der Basis eines international anerkannten Umweltmanagementsystems. Dieses System sorgt für die weltweite Standardisierung der umweltrelevanten Aspekte und wird durch die gemeinsame Definition von Kennzahlen sowie eine gruppenweite Zielsetzung und -verfolgung unterstützt. Der zweite wesentliche Punkt ist unser HSE-Netzwerk bestehend aus den lokalen und regionalen Vertretern für die Themen Umweltschutz, Gesundheitsschutz und Sicherheit. Wesentlich ist, dass dieses Netzwerk lebt und sich austauscht – nicht nur innerhalb der Gruppe, sondern auch auf bilateraler Ebene zwischen den Standorten. So stellen wir sicher, dass wir Problemstellungen austauschen und Erkenntnisse nutzen, um Verbesserungen in den Werken zu erreichen.

Stellen die Automobilhersteller ebenfalls Anforderungen in Sachen Umweltschutz an ihre Lieferanten?

Niehaus: Die Zertifizierung nach ISO 14001 ist eine Grundanforderung für Automobilzulieferer. Außerdem gibt es eine Reihe von Kunden, die weitere, spezifische umweltrelevante Anforderungen stellen. Diese können lokalen, regionalen oder aber auch globalen Charakter haben. In Nordchina zum Beispiel gibt es einen Kunden, der uns in den chinesischen MANN+HUMMEL Werken mit lokaler Expertise aktiv bei der Suche nach Verbesserungsmaßnahmen im Bereich Umweltschutz unterstützt. Spezialisten des Kunden besuchen hier die Lieferanten und schauen an den Anlagen nach Potenzialen, die noch nicht gehoben wurden.

Voss: Für einen unserer deutschen Kunden legen wir unsere Energie- und Wasserdaten offen und übermitteln diese auch der Nichtregierungsorganisation (NGO) “Carbon Disclosure Project“ auf jährlicher Basis. Der Bericht enthält unter anderem auch eine Abschätzung über die Entwicklung der Energieverbräuche und CO2-Emissionen und eine Bewertung der möglichen Einflussnahme von MANN+HUMMEL in den nächsten fünf Jahren.

MANN+HUMMEL nutzt als eines der ersten Unternehmen in Deutschland einen Green Schuldschein. Was hat es damit auf sich?

Niehaus: Mit dem sogenannten Green Schuldschein nutzen wir ein grünes Finanzierungsinstrument. Die gewonnenen Mittel verwenden wir zur Refinanzierung von Produkten für die Luft- und Wasserfiltration sowie von Projekten aus dem Bereich erneuerbare Energien, Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Der grüne Schuldschein passt zu unserer langfristigen Unternehmensstrategie. Mit diesem neuen Finanzierungsmittel unterstreichen wir auch nochmals unsere Selbstverpflichtung in Sachen Umweltschutz.

Wie geht es mit dem Umweltschutz bei MANN+HUMMEL weiter? Was sind Ihre Ziele?

Niehaus: Unser Ziel ist es das Umweltbewusstsein und die Motivation an den Standorten weiter zu erhöhen und an Energiesparmaßnahmen und -effizienzsteigerungen zu arbeiten. Wir wollen daher in Zukunft stärkere Anreize schaffen, beim Bau neuer Gebäude oder beim Kauf von Maschinen neben geringen Kosten und Wartungsaufwänden auch den Energie- und Ressourceneinsatz systematischer mit zu berücksichtigen.

Voss: Wir sehen große Potenziale in der verstärkten Nutzung von intelligenter Maschinen- und Gebäudetechnik. So steht zum Beispiel das von der Bundesregierung initiierte Projekt „Industrie 4.0“ vorrangig für intelligente Vernetzung von Anlagen und somit für die Optimierung der Wertschöpfungskette. Wir versprechen uns durch die verstärkte Vernetzung aber auch einen positiven Effekt im Energieeinsatz und -verbrauch durch eine verbesserte Datenerfassung, intelligentere Datenauswertung sowie schnellere und genauere Rückmeldung über die Wirksamkeit von eingeleiteten Energiesparmaßnahmen.

"Energieeffizienz und Ressourcenschonung spielen bei der Spezifikation und Beschaffung von Produktionsanlagen eine signifikante Rolle."

Josef Voss, Director Global HSE

Weiterführende Informationen

Nachhaltigkeit und Verantwortung

Filtration trennt das Nützliche von dem Schädlichen. Denken wir allein an Luftverschmutzung oder an verunreinigtes Wasser: Es gibt viel Bedarf an Filtration überall in der Welt. Wir stehen zu dieser Verantwortung. Diese findet auch Ausdruck in unserer Nachhaltigkeitsstrategie.